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Lesedauer:7min

Wie Manroland Sheetfed mit digitaler Service-Transformation Liquidität und Kundenzufriedenheit zurückgewann

GeneralReference report
Christopher Rix Bearbeitet: 2/10/2026Veröffentlicht: 11/24/2025

Die größte Hebelwirkung im Service liegt nicht im Umsatzwachstum, sondern in der konsequenten Verkürzung des Cash Conversion Cycles.

Martin Rose
Head of PS-Administration & Data Protection Office
Manroland Sheetfed

1. Warum Field Service Management mehr ist als eine App

Für einen traditionsreichen Maschinenbauer (Gründung 1871, HQ Offenbach am Main, 1.420 Mitarbeitende) mit 120 Disponenten und rund 350 Technikern war die Erkenntnis klar: Nur durch gezielte Digitale Transformation und ein integriertes Field Service Management-Konzept lassen sich Cashflow, Termintreue und Kundenzufriedenheit nachhaltig sichern.

Infografik vor dem Hintergrund eines modernen Firmengebäudes mit dem Schriftzug „manroland“. Vier blaue Informationsboxen mit rotem Rand zeigen: „350 Technicians & Fitters“, „120 Dispatchers & Coordinators“, „Duration: 1 day – 6 months“ sowie „What: Installation & Service“.

© manroland sheetfed GmbH

In diesem Beitrag teilt Martin Rose von Manroland Sheetfed seine Erfahrungen zur Problemidentifikation, Lösungswahl und praktischen Umsetzung.

Hier können Sie außerdem die Präsentation zum VDMA-Erfahrungsaustausch mit Manroland Sheetfed kostenlos downloaden:

zur VDMA-Präsentation

2. Wo hat das zweistufiges Service-Modell von Manroland Sheetfed seine Tücken?

Manroland Sheetfed ist, mit über 40 Marktorganisationen (MO) mit eigener Vertriebs- und Serviceverantwortung, global aufgestellt.
Der größte Vorteil der großen globalen Abdeckung liegt in der lokalen Kundennähe. Der größte Nachteil bilden die hohen Koordinationskosten zwischen den MO.

Grafik mit zwei farbigen Boxen: „01 Hauptsitz – Entwicklung und Fertigung“ und „02 Lokale Niederlassungen – Vertriebs- und Servicepartner“. Rechts daneben eine Weltkarte mit zahlreichen markierten Standorten in Europa, Asien, Afrika und Südamerika, die globale Niederlassungen anzeigen.

© manroland sheetfed GmbH

Das zweistufige Geschäftsmodell (HQ + lokale MOs) führte zu organisatorischen Reibungen, fragmentierten Systemlandschaften (ERP / CRM / FSM / PLM oft nicht integriert)
und damit zu zwei zentralen Schmerzpunkten:

  • Verspätete Einnahmen durch lange Rechnungszyklen (hohe DSO).
  • Mangelnde Termintreue im Service mit langen Wartezeiten beim Kunden, Risiko für Folgeumsätze und Kundenbindung.

Die Ursachen waren typisch für komplexe Serviceorganisationen mit mehreren Standorten: Medienbrüche, manuelle Arbeit, fehlende Transparenz über Kapazitäten und Skills zwischen MOs, sowie isolierte Planungsprozesse ohne Synergien.

3. Was waren die konkreten Probleme? KPIs, Ursachenforschung und Business-Perspektive

Manroland Sheetfed entschied sich bewusst gegen oberflächliche Maßnahmen zur Problemidentifikation und setzte auf eine KPI-gesteuerte Ursachenanalyse.

Die Erkenntnis: Rechnungsverspätungen resultieren nicht primär aus Buchhaltungsprozessen, sondern aus fehlenden, fehlerhaften oder verspäteten Operativdaten (Stundenzettel, Service-Reports), einer fragmentierten Tool-Landschaft, einer erhöhten Durchlaufzeit und Fehleranfälligkeit — also Verlust von Operational Efficiency.

Gleichzeitig zeigte die Kapazitätsanalyse: Fachkräfte sind knapp, kurzfristiges Aufstocken kaum möglich. Der größte Hebel liegt in besserer Resource Planning und Workforce Scheduling — also darin, vorhandene Ressourcen global sichtbar und flexibel einsetzbar zu machen.

Zwei dunkelblaue Textboxen mit rotem Rand vor einer verblassten Weltkarte. Die linke Box zeigt den Text „Kein lückenloser, digitaler ‚Field‘ Prozess“, die rechte Box den Text „Isolierter Planungsprozess – Keine zentrale Steuerung“.

© manroland sheetfed GmbH

4. Wie konnte Manroland Sheetfed die Ursachen auflösen?

Aus der Analyse entstand ein klares Zielbild:

Ein FSM

als operatives Rückgrat für Dispatch mit Einsatzplanung und mobiler App für Servicetechniker

+

Eine individuelle Customer-Service-Plattform (CSP)

als „Gesicht zum Kunden“ mit Webshop, digitale Maschinenakte, Projektierung und Controlling.

Das Ergebnis:

eine Service Optimization entlang der gesamten Customer Journey, Stabilisierung des Cashflows und bessere Kundenerlebnisse.

Wichtige Anforderungen an die Lösung:

  • moderne Einsatzplanung für Techniker, Werkzeuge und Fahrzeuge
  • Ablösung von Excel-Fragmenten
  • Reduktion manueller Prozesse in Reisestelle und Nachbereitung
  • nahtlose Integrationen zu ERP und Lager
Kreisdiagramm zur „360° digitalen Serviceabteilung“ mit mehreren farblich markierten Segmenten. Der äußere Ring zeigt Schritte wie „Ersatzteil bestellen“, „Service anfragen“, „Einsatz planen“, „Ressourcen zuordnen“, „Einsatz übermitteln“ und „Berichte erstellen“. Der innere Ring enthält Symbole und Begriffe wie Maschinenakte, Webshop, Einsatzplanung, Projektübersicht, Ressourcen, Auftragsmappe, Chatfunktion, Stundenzettel und Checklisten. In der Mitte steht „360° digitale Serviceabteilung“.

5. Warum der integrierter Ansatz gewinnt? Lösungs- und Partnerauswahl

Nach Marktprüfung fiel die Wahl auf eine Kombination: Bauer+Kirch für die Entwicklung einer CSP inklusive Webshop und die von Bauer+Kirch entwickelte FSM-Plattform fieldux für die operative Planung von Serviceeinsätzen.

Entscheidendes Kriterium: ein Partner, der sowohl technologische als auch methodische Expertise liefert. Dadurch konnte Manroland Sheetfed die Schnittstellenrisiken minimieren und die Umsetzung beschleunigen.

Workshops mit Nutzerzentrierung, Customer Journey Mapping und frühe Mock-Ups stellten sicher, dass die Lösung für alle Beteiligten (von Technikern über Disponenten bis zu HQ-Managern) von Anfang an tatsächlich passt.

Die Workshops haben uns gezeigt, dass Bauer+Kirch nicht nur die Technologie liefert, sondern auch den methodischen Ansatz, der eine passgenaue, praxisnahe 360°-Serviceorganisation ermöglicht.

Martin Rose
Head of PS-Administration & Data Protection Office
Manroland Sheetfed

6. Wie lief die Umsetzung? Roadmap, Quick Wins und Integrationsfokus

Die Einführung wurde schrittweise geplant:

  1. FSM-Pilot im Kernmarkt (HQ + MO DE),

  2. Iteratives Feedback und kontinuierliches Onboarding weiterer Nutzer

  3. Parallele Entwicklung des CSP

  4. Ausrollen auf weitere MOs

Eine wesentliche Erkenntnis aus der Umsetzung: Integration ist ein kritische Erfolgsfaktor! Deshalb wurde eine klare Priorität auf Schnittstellen, Stammdatenqualität und Change Management gelegt.
(Mehr dazu lesen Sie hier: SAP Schnittstellenintegration bei manroland sheetfed.)

Der nächste geplante Meilenstein ist nun das Webshop Go-Live Anfang 2026 und der flächendeckende Einsatz von fieldux FSM über HQ und MO DE hinaus.

7. Wie gelingt die digitale Service-Transformation? Lessons Learned und Empfehlungen für Entscheider

Die wichtigsten Learnings lassen sich so zusammenfassen:

  1. Früh KPIs und Ziele definieren
    Klare Messgrößen lenken Entscheidungen.

  2. Pilot und iterative Einführung
    Schnelle, kleine Erfolge schaffen Vertrauen.

  3. Change Management kontinuierlich betreiben
    Schulungen, Mitsprache fördern, schnelle Erfolgserlebnisse schaffen.

  4. Integration und Datenqualität priorisieren
    Systeme sind nur so gut wie ihre Daten.

  5. Partnerwahl strategisch denken
    Technologie + Methodik aus einer Hand reduziert Risiken.

8. Service Optimization als Hebel für Wachstum und Stabilität

Die Manroland-Story zeigt: Field Service Management und smartes Resource Planning sind mehr als Effizienzprojekte. Sie sind Hebel für Liquidität, Kundenzufriedenheit und strategische Wettbewerbsfähigkeit.

Wer die End-to-End-Prozesse digital abbildet, Medienbrüche eliminiert und Workforce Scheduling über Silos hinweg optimiert, gewinnt unmittelbare finanzielle Spielräume und stärkt langfristig die Marktposition.

Für Service-Organisationen, die an einem ähnlichen Punkt stehen, lautet die Kernbotschaft: Priorisieren Sie Integration, messen Sie richtige KPIs und denken Sie die digitale Transformation als ganzheitliches Service-Ökosystem und nicht als punktuelle Tool-Einführung.

Sie haben den Vortrag von Manroland Sheetfed zur Service Transformation beim VDMA verpasst und wollen noch mehr erfahren?
Hier können Sie die Präsentation kostenlos downloaden:

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