Viele Menschen kennen das Gefühl, ohne Brille die Welt verschwommen und unscharf zu sehen. Oft haben die jetzigen Brillenträger aber erst spät gemerkt, dass Sie eine Brille brauchen. Sie gewöhnten sich an die schleichende Verschlechterung der Sehqualität und hatten erst beim Sehtest das Aha-Erlebnis: Plötzlich ist alles klar und gut erkennbar.
So ähnlich ist es oft auch in Unternehmen: Sie arbeiten mit jahrelang etablierten Prozessen, die zwar funktionieren, aber nicht optimal sind oder mitwachsen. Quasi ein Leben ohne Brille – die Übersicht über Prozesse und Ergebnisse ist nur bedingt vorhanden, Informationen fehlen und Entscheidungen werden nicht mit vollem Wissen getroffen. Doch wie bei der Gewöhnung an den schlechter werdenden Blick, erkennt man oft gar nicht, wie anders es sein könnte.
Wir wissen nicht, wie das ist, wenn Lösungen Arbeitsschritte komplett automatisieren
Wir wissen auch nicht, wie sich das anführt, wenn man nicht alle Daten manuell von einem System in das nächste übertragen muss
Wir kennen unser Problem nicht, weil wir uns nicht testen
Wir können uns die Vorteile eines vollständig digitalisierten Prozesses nicht vorstellen
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Der erste Schritt ist, sich über die aktuelle Situation und das bestehende Problem klar zu werden, um dann gezielt nach Lösungen zu suchen.
In diesem Blog bieten wir Ihnen einen Fahrplan, damit Sie sich selbst auf Lösungssuche machen können.
Ein Hersteller von Trockenmörtelanlagen steht vor der Herausforderung, die Erwartungen seiner Kunden hinsichtlich der Servicegeschwindigkeit zu erfüllen.
Kunden äußern Bedenken über die langen Wartezeiten zwischen Inspektion und nötigen Reparaturen. Diese Verzögerungen führen dazu, dass die Angst vor verlängerten Ausfallzeiten der Anlagen zunimmt – ein Umstand, der in der Vergangenheit bereits eingetreten ist.
Für den Hersteller der Trockenmörtelanlagen birgt dies ein erhebliches Risiko.
Die unzulängliche Servicequalität, ein Mangel, der auch in der jüngsten Kundenzufriedenheitsumfrage deutlich wurde, könnte langfristig zu Kundenverlusten führen. Wenn Kunden abwandern, ist auch ein Rückgang des Umsatzes absehbar. Daher ist die Verbesserung der Servicequalität von entscheidender Bedeutung, um die Kundenbindung zu stärken und das Unternehmensergebnis zu sichern.
Mithilfe eines klaren Fahrplans wird aufgezeigt, dass die zugrunde liegende Herausforderung des Herstellers für Trockenmörtelanlagen in zerstückelten und unzureichend geführten Serviceprozessen liegt. Diese Prozesse sind fehleranfällig und erfordern einen hohen Verwaltungsaufwand, was wiederum ein Produktivitätskiller ist und zu langen Wartezeiten für Kunden führt.
Es gibt eine merkliche und wachstumsfähige Nachfrage im After-Sales-Service. Dennoch kämpfen viele Maschinen- und Anlagenbauer damit, diese erhöhte Nachfrage zu bedienen. Zusätzliche Aufträge können nicht bearbeitet werden, oder sie werden stark verzögert.
Gleichzeitig ist die Einstellung neuer Mitarbeiter zu einer fast chronischen Herausforderung in der Branche geworden – d.h. diese Option gibt es nicht.
Indem man Verschwendung vermeidet und die Produktivität der Mitarbeiter steigert!
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Um Serviceprozesse effektiv zu verbessern, setzen wir auf eine vereinfachte Version des DMAIC-Zyklus.
DMAIC ist ein strukturierter Verbesserungszyklus, mit dem Serviceprozesse datenbasiert analysiert, gezielt verbessert und nachhaltig stabilisiert werden. Statt auf Bauchgefühl zu setzen, schaffen Sie Transparenz über Ursachen, entwickeln konkrete Maßnahmen und sichern Erfolge messbar ab. So erhöhen Sie die Effizienz, Kundenzufriedenheit und Qualität – Schritt für Schritt, aber mit System.
Die Vorgehensweise beginnt mit der Identifikation eines klar abgegrenzten Problems im Serviceprozess. Der DMAIC-Zyklus endet, wenn die Verbesserungen implementiert und stabile neue Standards etabliert sind. Essenziell sind dabei Kontrollmechanismen, wie Key Performance Indicators (KPIs) und klare Verantwortlichkeiten, die sicherstellen, dass der Erfolg dauerhaft gesichert ist.
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Der Define-Schritt beginnt mit der klaren Benennung von Serviceproblemen, wie etwa langen Reaktionszeiten. Kundenfeedback und Frustrationen sind dabei wichtige strategische Aspekte, die systematisch erfasst werden, um gezielte Lösungen zu entwickeln.
Das Problem muss aus Unternehmens- und Kundensicht klar definiert und im richtigen strategischen Kontext eingeordnet werden. Hierbei spielt die Methode "Voice of the Customer" (VoC) eine zentrale Rolle: Sie hilft, systematisch die Erwartungen, Wünsche und Probleme der Kunden aus erster Hand zu erfassen. Ziel ist es, herauszufinden, was dem Kunden wirklich wichtig ist und wo Frustrationen auftreten, die intern möglicherweise noch nicht erkannt wurden.
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Nach der umfassenden Prozessbeschreibung werden kritische Stellen und deren Wirkung aus Managementsicht sichtbar gemacht.
Zwei zentrale Fragen unterstützen diese Analyse:
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Im Measure-Schritt des DMAIC-Zyklus wird durch gezielte Datenerhebung Transparenz geschaffen. Entscheidend sind messbare Größen, wie die Bearbeitungszeit von Serviceaufträgen oder die Zahl der Rückfragen, die einen klaren Überblick über den IST-Zustand verschaffen.
So läuft es ab:
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Ziel:
Keine Wissenschaft, sondern ein klarer IST-Blick auf das, was wirklich passiert – damit Sie später gezielt verbessern können.
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Die Analyze-Phase des DMAIC-Zyklus ist entscheidend, um die Wurzel eines Serviceproblems zu identifizieren und systematisch zu verstehen. In dieser Phase nutzen wir Werkzeuge wie die Ursache-Wirkungsmatrix und die 5-Why Methode, um tiefere Einblicke zu gewinnen, welche Faktoren die Qualität und Effektivität der Prozesse beeinflussen.
Ursache-Wirkungsmatrix - Prioritäten statt Bauchgefühl
Die Ursache-Wirkungsmatrix hilft dabei, die wichtigsten Einflussfaktoren eines konkreten Serviceproblems - wie verspätete Einsätze der Servicemitarbeiter oder unvollständige Berichte zur Dienstleistung - zu identifizieren und zu gewichten. Diese methodische Herangehensweise bringt ein strukturiertes System in die Analyse:
Welche Ursachen gibt es?
Zum Beispiel könnte die technische Dokumentation zur Inspektion fehlerhaft oder lückenhaft sein.
Wie stark beeinflussen sie das Ziel?
Die Gewichtung zeigt, dass bestimmte Ursachen einen hohen Einfluss auf das gewünschte Ziel haben.
Mit der Hilfe der Ursache-Wirkungsmatrix werden die entscheidenden Einflussfaktoren deutlich. Der nächste Schritt ist das Verständnis darüber, warum diese Probleme überhaupt entstehen, um tatsächlich die Kernursache zu erreichen.
5-Why Methode
Wir fragen so lange „Warum?“, bis wir zur eigentlichen Wurzelursache vordringen – meist nach fünf Fragen.
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Ziel:
Nicht nur Symptome eines Problems werden behandelt, sondern dessen fundamentale Ursachen aufgedeckt.
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In der Improve-Phase des DMAIC-Zyklus werden Maßnahmen entwickelt, die darauf abzielen, das Problem an seiner Wurzel zu beheben. Der Fokus liegt darauf, bestehende Ressourcen optimal zu nutzen, um schnelle und skalierbare Verbesserungen zu erzielen, die nachhaltige organisatorische Auswirkungen haben.
So gehen wir vor:
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Der Control-Schritt im DMAIC-Zyklus ist entscheidend, um zu gewährleisten, dass die implementierten Verbesserungen nicht nur kurzfristige Erfolge bleiben, sondern nachhaltig wirken. Durch Standards, Monitoring und klare Verantwortlichkeiten wird die Langfristigkeit der Prozesse gesichert.
Essentielle Elemente der Control-Phase:
Standards und Monitoring:
Implementierung von Standards, die als Richtlinien dienen, um sicherzustellen, dass die neuen Prozesse konsistent und effizient angewendet werden. Regelmäßiges Monitoring ermöglicht es, die Effektivität der Änderungen zu überprüfen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.
KVP-Blatt als Werkzeug:
Empfohlen wird die Verwendung eines KVP-Blatts (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess), dass ein praxisnahes Mittel darstellt, um den Verbesserungsprozess ständig zu evaluieren und aktiv weiterzuführen. Das Blatt dient als zentrales Werkzeug, um die Entwicklungen der Arbeitsabläufe fortlaufend zu dokumentieren und zu analysieren.
Regelmäßige Evaluierung:
Um sicherzustellen, dass der Verbesserungsprozess nicht ins Stocken gerät, soll das KVP-Blatt vierteljährlich im KVP-Gespräch mit dem Management ausgefüllt und besprochen werden. Dies hält den Fortschritt am Leben und erlaubt eine konsequente Anpassung und Optimierung der Implementierungen.
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Der Weg von einer unscharfen zu einer klaren Sicht bedeutet, sich der aktuellen Probleme bewusst zu werden und gezielt Verbesserungen zu suchen. Eine strukturierte Prozessoptimierung bringt nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch eine nachhaltig gesteigerte Produktivität und Kundenzufriedenheit.
Solche Ansätze wie DMAIC ermöglichen Unternehmen, nicht nur interne Abläufe zu optimieren, sondern auch entscheidende Wettbewerbsvorteile zu schaffen.
Der strukturierte Ansatz mit klaren Verantwortlichkeiten und wiederkehrender Überprüfung stellt sicher, dass Veränderungen in der Serviceorganisation nachhaltig verankert sind und das Unternehmen optimal für zukünftige Herausforderungen gerüstet ist.
Downloaden Sie jetzt Ihr Workbook mit Schritt-für-Schritt-Anleitung zum DMAIC-Zyklus und Identifizieren Sie Ihre individuellen Potenziale im Service.
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