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Lesedauer:8min

Weg vom Blindflug – Serviceprozesse optimieren und Servicequalität steigern

General
Christian Marbaise Bearbeitet: 1/21/2026Veröffentlicht: 6/26/2025

Einleitung: Eine klare Sicht für bessere Entscheidungen

Viele Menschen kennen das Gefühl, ohne Brille die Welt verschwommen und unscharf zu sehen. Oft haben die jetzigen Brillenträger aber erst spät gemerkt, dass Sie eine Brille brauchen. Sie gewöhnten sich an die schleichende Verschlechterung der Sehqualität und hatten erst beim Sehtest das Aha-Erlebnis: Plötzlich ist alles klar und gut erkennbar.

So ähnlich ist es oft auch in Unternehmen: Sie arbeiten mit jahrelang etablierten Prozessen, die zwar funktionieren, aber nicht optimal sind oder mitwachsen. Quasi ein Leben ohne Brille – die Übersicht über Prozesse und Ergebnisse ist nur bedingt vorhanden, Informationen fehlen und Entscheidungen werden nicht mit vollem Wissen getroffen. Doch wie bei der Gewöhnung an den schlechter werdenden Blick, erkennt man oft gar nicht, wie anders es sein könnte.

  • Wir wissen nicht, wie das ist, wenn Lösungen Arbeitsschritte komplett automatisieren

  • Wir wissen auch nicht, wie sich das anführt, wenn man nicht alle Daten manuell von einem System in das nächste übertragen muss

  • Wir kennen unser Problem nicht, weil wir uns nicht testen

  • Wir können uns die Vorteile eines vollständig digitalisierten Prozesses nicht vorstellen

Blick auf die Baumkronen eines dichten, grünen Dschungels. Darüber blauer Himmel. Die eine Seite des Bildes ist unscharf und verschwommen, die andere Seite des Bildes ist scharf und klar erkennbar.

Der erste Schritt ist, sich über die aktuelle Situation und das bestehende Problem klar zu werden, um dann gezielt nach Lösungen zu suchen.
In diesem Blog bieten wir Ihnen einen Fahrplan, damit Sie sich selbst auf Lösungssuche machen können.

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Ein Beispiel: Serviceleistung und Qualität im Kundenservice verbessern

Ein Hersteller von Trockenmörtelanlagen steht vor der Herausforderung, die Erwartungen seiner Kunden hinsichtlich der Servicegeschwindigkeit zu erfüllen.
Kunden äußern Bedenken über die langen Wartezeiten zwischen Inspektion und nötigen Reparaturen. Diese Verzögerungen führen dazu, dass die Angst vor verlängerten Ausfallzeiten der Anlagen zunimmt – ein Umstand, der in der Vergangenheit bereits eingetreten ist.

Für den Hersteller der Trockenmörtelanlagen birgt dies ein erhebliches Risiko.
Die unzulängliche Servicequalität, ein Mangel, der auch in der jüngsten Kundenzufriedenheitsumfrage deutlich wurde, könnte langfristig zu Kundenverlusten führen. Wenn Kunden abwandern, ist auch ein Rückgang des Umsatzes absehbar. Daher ist die Verbesserung der Servicequalität von entscheidender Bedeutung, um die Kundenbindung zu stärken und das Unternehmensergebnis zu sichern.

Strukturen im Serviceprozess und deren Optimierung

Mithilfe eines klaren Fahrplans wird aufgezeigt, dass die zugrunde liegende Herausforderung des Herstellers für Trockenmörtelanlagen in zerstückelten und unzureichend geführten Serviceprozessen liegt. Diese Prozesse sind fehleranfällig und erfordern einen hohen Verwaltungsaufwand, was wiederum ein Produktivitätskiller ist und zu langen Wartezeiten für Kunden führt.

Es gibt eine merkliche und wachstumsfähige Nachfrage im After-Sales-Service. Dennoch kämpfen viele Maschinen- und Anlagenbauer damit, diese erhöhte Nachfrage zu bedienen. Zusätzliche Aufträge können nicht bearbeitet werden, oder sie werden stark verzögert.

Gleichzeitig ist die Einstellung neuer Mitarbeiter zu einer fast chronischen Herausforderung in der Branche geworden – d.h. diese Option gibt es nicht.

Wie kann also der Service wachsen, ohne mehr Mitarbeiter einzustellen?

Indem man Verschwendung vermeidet und die Produktivität der Mitarbeiter steigert!

Ein Graph mit Jahreszahlen auf der einen und Euro auf der anderen Achse. Rote Linie unter dem Soll bei fehlender Produktivitätssteigerung. Grüne Linie stark aufsteigend über dem Soll bei Prozessen in denen die Produktivität gesteigert wurde.

Die DMAIC-Methode: Ein strukturierter Ansatz um Ihre Serviceprozesse zu optimieren

Um Serviceprozesse effektiv zu verbessern, setzen wir auf eine vereinfachte Version des DMAIC-Zyklus.
DMAIC ist ein strukturierter Verbesserungszyklus, mit dem Serviceprozesse datenbasiert analysiert, gezielt verbessert und nachhaltig stabilisiert werden. Statt auf Bauchgefühl zu setzen, schaffen Sie Transparenz über Ursachen, entwickeln konkrete Maßnahmen und sichern Erfolge messbar ab. So erhöhen Sie die Effizienz, Kundenzufriedenheit und Qualität – Schritt für Schritt, aber mit System.

Die Vorgehensweise beginnt mit der Identifikation eines klar abgegrenzten Problems im Serviceprozess. Der DMAIC-Zyklus endet, wenn die Verbesserungen implementiert und stabile neue Standards etabliert sind. Essenziell sind dabei Kontrollmechanismen, wie Key Performance Indicators (KPIs) und klare Verantwortlichkeiten, die sicherstellen, dass der Erfolg dauerhaft gesichert ist.

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Erstes Kapitel des DMAIC-Prozesses: Define

1. Define:

Der Define-Schritt beginnt mit der klaren Benennung von Serviceproblemen, wie etwa langen Reaktionszeiten. Kundenfeedback und Frustrationen sind dabei wichtige strategische Aspekte, die systematisch erfasst werden, um gezielte Lösungen zu entwickeln.

Das Problem muss aus Unternehmens- und Kundensicht klar definiert und im richtigen strategischen Kontext eingeordnet werden. Hierbei spielt die Methode "Voice of the Customer" (VoC) eine zentrale Rolle: Sie hilft, systematisch die Erwartungen, Wünsche und Probleme der Kunden aus erster Hand zu erfassen. Ziel ist es, herauszufinden, was dem Kunden wirklich wichtig ist und wo Frustrationen auftreten, die intern möglicherweise noch nicht erkannt wurden.

Übersicht des ersten Schrittes des DMAIC Prozesses. D - Define, in dem die Voice of Customer, der Treiber und das Problem identifiziert werden
Übersicht des Workbooks zum DMAIC Prozess und Step 1 Define

Nach der umfassenden Prozessbeschreibung werden kritische Stellen und deren Wirkung aus Managementsicht sichtbar gemacht.

Zwei zentrale Fragen unterstützen diese Analyse:

  1. „Wozu führt das?“
    Diese Frage zielt darauf ab, die konkreten Auswirkungen bestimmter Schwachstellen zu verstehen. Beispielsweise können verzögerte Rückmeldungen zu längeren Durchlaufzeiten führen, was verpasste SLAs und unzufriedene Kunden zur Folge hat.

  2. „Was würden Sie gerne machen, was Sie heute nicht können?“
    Diese Frage untersucht, wo aktuelle Prozesshemmnisse die Unternehmensführung einschränken. Beispielsweise kann ein Mangel an verlässlicher Übersicht über offene Einsätze, eingeschränkte Steuerung nach Priorität oder Profitabilität dazu führen, dass Entscheidungen eher auf Gefühl statt auf fundierte Daten basieren.

DMAIC Prozess Übersicht. Markiert ist Kapitel 2 - Measure

2. Measure:

Im Measure-Schritt des DMAIC-Zyklus wird durch gezielte Datenerhebung Transparenz geschaffen. Entscheidend sind messbare Größen, wie die Bearbeitungszeit von Serviceaufträgen oder die Zahl der Rückfragen, die einen klaren Überblick über den IST-Zustand verschaffen.

So läuft es ab:

  1. Was messen wir genau?
    Es werden spezifische Größen definiert, die direkt mit dem Problem verbunden sind. Dazu gehören die Bearbeitungszeit eines Serviceauftrags, die Anzahl der Kundenanfragen oder Wartezeiten. Diese Metriken liefern klare Insights, wo der Prozess möglicherweise stockt.

  2. Wie messen wir es?
    Ein einfacher Datenerfassungsplan wird erstellt, der festlegt, wer welche Daten erfasst, wie oft und mit welchem Tool (beispielsweise Excel-Listen, Servicetools oder einfache Zeitmessung). Oft reichen Stichproben über wenige Tage, um ein deutliches Bild zu erhalten.

  3. Woher kommen die Daten?
    Idealerweise stammen die Daten aus bestehenden Systemen wie ERP, FSM oder Excel. Wenn solche Quellen nicht verfügbar sind, können die Daten durch klare, begrenzte manuelle Erfassung durch Teammitglieder gewonnen werden – einfach, praxisnah und realistisch im täglichen Betrieb.

Übersicht des Inhaltes des Workbooks zum zweiten Teil des DMAIC Prozesses der sich mit dem Ist-Zustand beschäftigt

Ziel:
Keine Wissenschaft, sondern ein klarer IST-Blick auf das, was wirklich passiert – damit Sie später gezielt verbessern können.

Übersicht der 5 Schritte im DMAIC Prozess mit Kapitel 3 Analyze gehighlighted

3. Analyze:

Die Analyze-Phase des DMAIC-Zyklus ist entscheidend, um die Wurzel eines Serviceproblems zu identifizieren und systematisch zu verstehen. In dieser Phase nutzen wir Werkzeuge wie die Ursache-Wirkungsmatrix und die 5-Why Methode, um tiefere Einblicke zu gewinnen, welche Faktoren die Qualität und Effektivität der Prozesse beeinflussen.

Ursache-Wirkungsmatrix - Prioritäten statt Bauchgefühl
Die Ursache-Wirkungsmatrix hilft dabei, die wichtigsten Einflussfaktoren eines konkreten Serviceproblems - wie verspätete Einsätze der Servicemitarbeiter oder unvollständige Berichte zur Dienstleistung - zu identifizieren und zu gewichten. Diese methodische Herangehensweise bringt ein strukturiertes System in die Analyse:

  • Welche Ursachen gibt es?
    Zum Beispiel könnte die technische Dokumentation zur Inspektion fehlerhaft oder lückenhaft sein.

  • Wie stark beeinflussen sie das Ziel?
    Die Gewichtung zeigt, dass bestimmte Ursachen einen hohen Einfluss auf das gewünschte Ziel haben.

Mit der Hilfe der Ursache-Wirkungsmatrix werden die entscheidenden Einflussfaktoren deutlich. Der nächste Schritt ist das Verständnis darüber, warum diese Probleme überhaupt entstehen, um tatsächlich die Kernursache zu erreichen.

5-Why Methode
Wir fragen so lange „Warum?“, bis wir zur eigentlichen Wurzelursache vordringen – meist nach fünf Fragen.

Übersicht der Inhalte aus dem Workbook, die die Ursachen-Wirkung Matrix im Analyze Step zeigen

Ziel:
Nicht nur Symptome eines Problems werden behandelt, sondern dessen fundamentale Ursachen aufgedeckt.

DMAIC 5 Steps mit hervorgehobenen vierten Step Improve

4. Improve:

In der Improve-Phase des DMAIC-Zyklus werden Maßnahmen entwickelt, die darauf abzielen, das Problem an seiner Wurzel zu beheben. Der Fokus liegt darauf, bestehende Ressourcen optimal zu nutzen, um schnelle und skalierbare Verbesserungen zu erzielen, die nachhaltige organisatorische Auswirkungen haben.

So gehen wir vor:

  1. Maßnahme definieren:
    Für jede identifizierte Hauptursache werden spezifische Maßnahmen erarbeitet. Ziel ist es, nicht nur die Organisation zu verbessern, sondern das Problem tatsächlich an der Wurzel zu beheben. Dies erfordert eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Ursachen und eine klare Strategie.

  2. Bestehendes nutzen:
    Statt komplett neue Systeme zu entwickeln, wird auf vorhandene Tools und Strukturen zurückgegriffen. Der Ansatz sieht vor, bestehende Prozesse zu digitalisieren, zu automatisieren und zu vereinfachen, um Effizienzen sofort zu steigern ohne sie von Grund auf neu aufzubauen.

  3. Klein starten - groß denken:
    Der Beginn erfolgt mit leicht umsetzbaren Verbesserungen, die sofort Wirkung zeigen können. Von diesen ersten Erfolgen ausgehend, wird eine robuste Lösung entwickelt, die auf alle Standorte oder Teams skalierbar ist, um maximale organisatorische Wirkung zu erzielen.

  4. ChatGPT als Co-Pilot nutzen:
    Sobald die Anforderungen aus der Analyse klar sind, kann ChatGPT eingesetzt werden, um innerhalb von Sekunden praxisnahe und umsetzbare Ideen zu liefern, die speziell für die jeweilige Servicewelt und den Kundenservice angepasst sind. Diese Unterstützung optimiert die Lösungssuche und reduziert den Aufwand deutlich.
    Beispiel-Prompt: "Nenne mir 5 praktikable Lösungen für folgende Anforderungen im Field Service von industriellem Maschinen- und Anlagenbau: Techniker dokumentieren unvollständig, Rückmeldungen dauern zu lang, Disponenten haben keine Echtzeitübersicht."

Überischt des Inhalte des Workbooks zum vierten Kapitel Improve. Hier werden Lösungen entwickelt und mit ChatGPT erarbeitet
Übersicht der DMAIC Kapitelstruktur und hervorgehobener Kapitelreiter Control

5. Control:

Der Control-Schritt im DMAIC-Zyklus ist entscheidend, um zu gewährleisten, dass die implementierten Verbesserungen nicht nur kurzfristige Erfolge bleiben, sondern nachhaltig wirken. Durch Standards, Monitoring und klare Verantwortlichkeiten wird die Langfristigkeit der Prozesse gesichert.

Essentielle Elemente der Control-Phase:

  • Standards und Monitoring:
    Implementierung von Standards, die als Richtlinien dienen, um sicherzustellen, dass die neuen Prozesse konsistent und effizient angewendet werden. Regelmäßiges Monitoring ermöglicht es, die Effektivität der Änderungen zu überprüfen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.

  • KVP-Blatt als Werkzeug:
    Empfohlen wird die Verwendung eines KVP-Blatts (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess), dass ein praxisnahes Mittel darstellt, um den Verbesserungsprozess ständig zu evaluieren und aktiv weiterzuführen. Das Blatt dient als zentrales Werkzeug, um die Entwicklungen der Arbeitsabläufe fortlaufend zu dokumentieren und zu analysieren.

  • Regelmäßige Evaluierung:
    Um sicherzustellen, dass der Verbesserungsprozess nicht ins Stocken gerät, soll das KVP-Blatt vierteljährlich im KVP-Gespräch mit dem Management ausgefüllt und besprochen werden. Dies hält den Fortschritt am Leben und erlaubt eine konsequente Anpassung und Optimierung der Implementierungen.

Inhalte des Workbooks zum fünften Step Control. Hier wird ein KVP-Blatt entwickelt um nachhaltig den Serviceprozess zu verbessern
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Fazit: Effizienz in Serviceprozessen als Wettbewerbsvorteil 

Der Weg von einer unscharfen zu einer klaren Sicht bedeutet, sich der aktuellen Probleme bewusst zu werden und gezielt Verbesserungen zu suchen. Eine strukturierte Prozessoptimierung bringt nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch eine nachhaltig gesteigerte Produktivität und Kundenzufriedenheit.

Solche Ansätze wie DMAIC ermöglichen Unternehmen, nicht nur interne Abläufe zu optimieren, sondern auch entscheidende Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Der strukturierte Ansatz mit klaren Verantwortlichkeiten und wiederkehrender Überprüfung stellt sicher, dass Veränderungen in der Serviceorganisation nachhaltig verankert sind und das Unternehmen optimal für zukünftige Herausforderungen gerüstet ist.

Downloaden Sie jetzt Ihr Workbook mit Schritt-für-Schritt-Anleitung zum DMAIC-Zyklus und Identifizieren Sie Ihre individuellen Potenziale im Service.

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