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Nullwachstum im Maschinenbau: Warum das Servicegeschäft jetzt zum Gewinnhebel wird

General
Kerstin Kolvenbach Veröffentlicht: 7/8/2026

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steht 2026 vor einer weiteren Enttäuschung. Statt des erwarteten Wachstums rechnet die Branche nun mit Stillstand. Für Unternehmen, die auf Neumaschinen-Umsätze angewiesen sind, ist das eine schlechte Nachricht. Für Unternehmen mit einem starken Servicegeschäft könnte es sich anders lesen.

Die aktuelle Lage: VDMA korrigiert Prognose nach unten

Der VDMA hat seine Produktionsprognose für 2026 von plus 1 Prozent auf plus/minus 0 Prozent gesenkt. Grund sind laut VDMA-Chefvolkswirt Dr. Johannes Gernandt vor allem die Folgen des Kriegs in der Golfregion, die die weltweite Unsicherheit erhöht und die Lieferketten erneut belastet haben. Ausführlich berichtet darüber das Informationsportal der Lebensmittelverarbeitung unter Berufung auf VDMA-Angaben (Meldung vom 29. Juni 2026).

Bemerkenswert ist der Blick auf die Kapazitätsauslastung. Sie lag im April bei nur 77,8 Prozent, deutlich unter dem langjährigen Mittelwert von 85,6 Prozent. Gleichzeitig wurden von Januar bis April real 3 Prozent mehr Bestellungen verbucht als im Vorjahr. Die Branche bekommt also durchaus Aufträge, kann sie aber nicht in dem Maß ausschöpfen, wie es die Auslastungswerte früherer Jahre nahelegen würden. 15 Prozent der Unternehmen berichten inzwischen wieder von konkreten Lieferkettenproblemen.

Das Servicegeschäft: bekanntes Potenzial, ungenutzt

Dass Service ein wichtiger Ertragsanker im Maschinenbau ist, ist keine neue Erkenntnis. Schon eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants zeigte: Bis zu 65 Prozent der Gewinne im Anlagen- und Maschinenbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen aus dem Geschäft mit Dienstleistungen. Gleichzeitig gehen Umsätze und Gewinne aus klassischen Angeboten wie Ersatzteilen und Instandhaltung zurück, weil diese zunehmend über Drittanbieter laufen. Details zur Studie finden sich beim Informationsportal der Lebensmittelverarbeitung.

Der ISG Buyers Guide für Field Service Management 2026 kommt zum Ergebnis, dass sich Field Service Management zu einer plattformzentrierten Disziplin entwickelt: Unternehmen wollen zunehmend die Kontrolle über den gesamten Servicelebenszyklus behalten, um flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren und steigende Kundenerwartungen zu erfüllen. Die Originalmeldung von ISG selbst finden Sie hier: Business Wire (17. Februar 2026).

Trotz des bekannten Potenzials bleibt die Umsetzung schwierig: Laut Roland Berger war lediglich gut die Hälfte der befragten Maschinenbauunternehmen überhaupt in der Lage, Dienstleistungen für ihre installierten Anlagen aktiv zu verkaufen. Das Problem liegt also nicht darin, das Potenzial zu erkennen, sondern darin, es organisatorisch zu heben.

Warum das Potenzial oft ungenutzt bleibt

Sinkende Auslastung bei Neumaschinen setzt Kapazitäten frei, die selten gezielt in den Service umgelenkt werden. Wenn Produktionslinien für neue Maschinen weniger ausgelastet sind, wäre das eine Chance, Servicekapazitäten gezielt auszubauen. Ohne strukturierte Prozesse bleibt diese Chance jedoch oft ungenutzt.

Außerdem ist das Wissen über installierte Anlagen häufig nicht zentral verfügbar. Wer nicht systematisch erfasst, welche Maschine bei welchem Kunden steht, welchen Wartungsstand sie hat und wann der nächste Service fällig wird, kann kein proaktives Servicegeschäft aufbauen, sondern reagiert nur auf Anfragen.

Was strukturierter Service konkret bringt

Ein gut organisiertes Servicegeschäft wirkt gerade in konjunkturell schwachen Phasen stabilisierend. Es hängt weniger von neuen Investitionsentscheidungen der Kunden ab und mehr von bereits bestehenden Kundenbeziehungen. Während Neumaschinen-Aufträge von der allgemeinen Investitionsbereitschaft abhängen, die laut VDMA aktuell gedämpft ist, bleibt der Wartungs- und Ersatzteilbedarf bestehender Anlagen weitgehend unabhängig von der großen Konjunkturlage.

Für Unternehmen bedeutet das: Die eigene Serviceorganisation ist einer der wenigen Hebel, die sich unabhängig vom Marktumfeld aktiv verbessern lassen. Das setzt voraus, dass die installierte Basis bekannt ist, Serviceprozesse dokumentiert und nachvollziehbar sind und Techniker im Feld auf die richtigen Informationen zugreifen können.

Fazit

Die Konjunkturprognose für den Maschinenbau ist nicht beeinflussbar. Die eigene Serviceorganisation ist es. Wer jetzt in strukturierte Prozesse, transparente Anlagendaten und ein funktionierendes Field Service Management investiert, schafft sich Unabhängigkeit von einem Marktumfeld, das kurzfristig kaum besser wird.

Wissen Sie genau, wie viele Ihrer installierten Anlagen wann den nächsten Service benötigen, und wie viel Ihres Servicepotenzials Sie aktuell tatsächlich ausschöpfen?

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